Wir lieben Highballs, das Irgendwas zwischen Cocktail und Longdrink, als unaufgeregten Begleiter für den Abend. Der mondäne Cocktail mit allem Schnick und Schnack ist – zumindest für uns – ein bisschen ins Abseits gerückt. Schade eigentlich. Irgendwann kam die Frage auf, wie angesagt der – nennen wir ihn mal – klassische Cocktail in den Bars noch ist? Wir haben unsere Redakteurin Renate Preuss, jahrzehntelang Kennerin der Sylter Bar-Szene, auf die Insel geschickt, um bei den Top-Hotelbars auf Sylt nachzuforschen.

Hat sie gemacht. Hier ihr Artikel.

„Sex on the beach“ geht immer, und auch der elegante „Prince of Wales“ wird gern genommen – aber nicht nur die bewährten Cocktail-Klassiker erleben ein rasantes Comeback: Trendsetter dieser nouvelle vague im Bar Business sind die raffiniert neuen Kreationen von edlen Spirituosen mit Aromen aus dem Obst-, dem Gemüse- und dem Kräutergarten.

Das Arosa in List hat seine schicke neue Bar praktischerweise gleich nach einem international bekannten Cocktail benannt: Negroni-Bar. Bevorzugt wird dieser klassische, aus Italien stammende Drink – bestehend aus Gin, Campari und Wermut – als Aperitif gereicht. Wie wohlschmeckend wandelbar ein solcher Appetitanreger sein kann, beweist Barchef Robin Vatter seinen Gästen in der von ihm mitgestalteten, zusätzlichen Hotel-Bar immer wieder aufs Neue. Und überrascht mit lobenswerten Aktionen wie dem „Bartender‘s Charity Projekt“, bei dem pro Cocktail mit Namen Norddeutscher Seenotrettungskreuzer wie „Theodor Storm“ und „Eiswette“ zwei Euro direkt an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger weitergeleitet werden.

Die Negroni-Bar mit ihrem entspannt kosmopolitischen Ambiente der 80er Jahre wird tagsüber häufig als Rückzugsort für Geschäftstermine oder als Leseraum genutzt; am Abend treffen sich hier Freunde feiner Drinks zur Blauen Stunde und auch länger, am Wochenende begleitet von dezentem DJ-Sound.

In der Reiterbar in Kampens Traditionshaus Rungholt den Tag mit einem Sundowner bei einzigartigem Panoramablick Revue passieren zu lassen, ist pures Urlaubsglück. Elegantes Ambiente, entspannte Atmosphäre haben hier Generationen stilvoll feiern lassen. „Wir sind ein Vier-Sterne-Haus mit Fünf-Sterne-Gästen“, strahlt Barchefin Monika Wallner. Und sie muss es wissen: Seit mehr als 20 Jahren führt sie hier charmant Regie, eine der überaus raren geprüften „echten“ Barmeister Deutschlands. Über 100 Cocktails hat sie im Repertoire, ihr Tipp für die Saison heißt, wohl den Wünschen ihrer Gäste entsprechend, „Sonnenschein“: ein Sekt-Cocktail aus Passionsfruchtpüree „Nordseewater“ und Fürst von Metternich. Eine hübsche Geschichte rahmt sich um den Namen der Reiterbar: Er stammt aus der Zeit, als zur Sommerfrische ein Sonntagmorgen-ausritt gehörte, der die Reiter dann eben zu diesem gastlichen Haus führte. Der Anbinde-Ring vor der Tür ist immer noch da – wer heute per 1 PS zum Hotel Rungholt trabt, bekommt einen Korn aufs Haus.

Als „Treff ausdrücklich nicht nur für Hotelgäste, für Sylter und Nicht-Sylter mitten in Westerland“, wünschte sich Hausherr Harald Hentzschel vom Hotel Stadt Hamburg vor gut einem Jahr bei der Eröffnung seine neue Hardy‘s Bar – Wunsch perfekt erfüllt! Barchef Briol und sein Team freuen sich über genau diese Gästemischung in ihrer exzellent gestylten Bar und der Raucher-Lounge. Inspiriert vom Bar-Design weltweiter Metropolen hat das Ehepaar Hentzschel ihr neues Schmuckstück eingerichtet, ihren Haus- und Hofhund Hardy mit Fliege zum schicken Schirmherrn erklärt. Der richtige Rahmen für Bar-Kenner auf internationalem Niveau: Hier werden nicht nur die ewig geschätzten Klassiker liebevoll gepflegt, rare Whiskys und über 40 Gin-Sorten mit entsprechenden Tonics angeboten – mit seinen fantasievollen Kreationen mit Obst- und Kräuteraromen gewann das Hardys-Team zahlreiche Preise und Auszeichnungen, Briols Göttin der Sonnenröte „Aurora“ wurde zum Sieger-Cocktail der Deutschen Meisterschaft gekürt.

„Der Alltag ist ganz weit weg“, hat sich das elegante Hotel Miramar hoch über Westerlands Strand und Promenade seit jeher auf die Fahnen geschrieben – und das gilt heute besonders für die Bar in ihrem prachtvollen Jugendstil-Ambiente. Erst vor rund 30 Jahren eröffnet, erinnert der Glanz luxuriöser Vergangenheit dieses ganz besonderen Hauses zweifellos an das Gründungsjahr 1903. Hier erleben Klassiker wie „Daiquiri“ oder „Gimlet“, aber auch Verwegenes, wie „Lady Killer“, ihre Renaissance -– und natürlich die eleganten Champagner-Cocktails wie „Greatest Love“ oder „Caribbean Champagne“ sowie der „Prince of Wales“, selbstverständlich im Silberbecher. Stolz ist Barchef Holger Hagen auf seine seltenen Rums. Und: „rauchige, torfige Whiskys sind hier beliebt“. Prominente Zeitgenossen, wie Ina Müller und Udo Lindenberg, der hier einige seiner „Likörelle“ hängen hat und bei jedem Besuch wieder daran „arbeitet“, schauen gern mal herein. Pierre Richard drehte hier Passagen seines letzten Films – die Dreharbeiten endeten mit einer echt französischen Party – „bis um sechs Uhr morgens mit Pernod und Wasser“, schmunzelt Holger Hagen.

In exklusiver Atmosphäre einen Cocktail genießen zwischen Brigitte Bardot, Steve Mc Queen und Romy Schneider ist in der Miles-Bar im Landhaus Stricker in Tinnum, „The place to be“ ganz selbstverständlich: Hier blicken die Ikonen als Collagen von den Wänden, die Kunstwerke stammen von Devin Miles, einem der bedeutend-sten Vertreter der Contemporary German Pop Art. Zu dem künstlerischen Schwergewicht hat sich jetzt ein renommierter Barchef gesellt: Stefan Czerwony arbeitete bei einigen der angesagtesten Adressen, sieben Jahre mixte er im Sommer als Barchef in Kampens Gogärtchen, im Winter unter anderem im Hotel zur Tenne in Kitzbühel. „In der Miles Bar reizen mich vor allem die kreativen Möglichkeiten, die durch die enge Zusammenarbeit mit gleich zwei Spitzenköchen – Holger Bodendorf und Philip Rümmele – entstehen. Ich habe eine perfekt ausgestattete Profiküche im Rücken, aus der ich gern mal ein Spezialgerät ausprobiere.“ So entwickelte der 36-jährige nach ausführlichem Besuch im Reich der Kochkünstler den neuen Signature Drink „The Pink“ auf der Basis von Himbeer-Gin für die Bar im Landhaus Stricker – und liegt damit voll im Trend: mehr Farbe ins Cocktailglas.

Wie ein blitzblankes kleines Dorf aus aneinandergereihten Kapitäns-häuschen präsentiert sich das Severin‘s Resort & Spa im romantischen Keitum. In der eleganten Bar wird stilvoll internationale Barkultur gepflegt mit Kamin und gemütlichen  Ledersesselgruppen; Highlight der angrenzenden Raucher-Lounge ist ein Humidor mit einem wohlsortierten „Zigarren-Sammelsurium“. Bar-Chef Nicolai Segner kann den Trend zum Cocktail bestätigen und ist stolz darauf, dass die eigenen Kreationen seines Teams bei den Gästen besonders gefragt sind. Frische ist hier angesagt: Zu jeder Jahreszeit werden dementsprechend neue Cocktails angeboten, oft auch mit selbst gemachten saisonalen Produkten wie etwa das Homemade Ginger Beer oder mit aromatischen Zutaten aus dem eigenen Kräutergarten. Als amüsante Literatur zeigt sich die Bar-Karte mit fantasievollen „Untertiteln“ wie der aktuelle Signature Drink „No Country for Old Man“: Fruchtig erfrischend mit herben Noten. Eigenschaften, die viele allein wandernde Männer im Herzen tragen. Ihnen ist dieser Drink gewidmet.“

Offen und natürlich wie die Philosophie des Budersand Hotel Golf & Spa ist auch die klassische Lobby-Bar mit Blick auf Hafen und Leuchtturm gehalten: mit korallen-artigen Murano-Glas-Leuchten, einem Fußboden aus Muschelkalk, der an Ebbe und Flut erinnert.

Hier treffen sich Urlauber und Golfer, um Stranderlebnisse auszutauschen oder das neue Handicap zu feiern. Und auch Queen Mum hätte hier gern mal Station gemacht. Helge Hansen und sein Bar-Team verwalten eine Gin-Vielfalt von mehr als Hundert Sorten und experimentieren erfolgreich mit verschiedenen Aromen von Vanille bis Rosmarin. Eine zweite Leidenschaft hegt Hansen für exquisiten Champagner jenseits der großen Produktionen wie zum Beispiel „Billecart Salmon“ und natürlich für raffinierte Cocktail-Kreationen wie seinen „Budersand Olymp“, den er auf der Basis von Mastic Tears, einem Baumharz-Likör, und Wermut Rosé speziell für seine Gäste entwickelt hat.

Der Artikel “Cocktails Night Out – Hotelbars auf Sylt” ist im SEASIDE Magazin 2018 erschienen, das in unserem Shop erhältlich ist.