Seemanns-Spelunken waren einst vor allem ein Stück Ablenkung, Heimat und Wärme für Seeleute, die weit weg von ihrer Familie in irgendeinem Hafen gestrandet waren. Das ist lange vorbei, viel zu kurz sind heute die Hafenliegezeiten der Schiffe. Trotzdem gibt‘s noch Hafenkneipen – und ihre Fans.

Maritime Devotionalien dürfen in einer echten Seemanns-Spelunke nicht fehlen

Zum Seeteufel, Hamburg

Zum Seeteufel, die Seemanns-Spelunke mit der für so einen Ort doch untypischen Adresse – Elbchaussee 4 in Hamburg, war tatsächlich DER Seeteufel von Felix Graf von Luckner.

Luckner, wagemutiger Seeoffizier, Schriftsteller und – na ja, sagen wir Geschichtenerzähler, hat der Hafenspelunke  höchst persönlich, seinen Segen gegeben. Das ist schon 60 Jahre her, und sein Andenken wird bis heute von Evelyn Subbert (kurz Evi), der unangefochtenen Hausherrin im Seeteufel, hochgehalten. Und das immerhin schon seit 30 Jahren.

Evelyn Subbert, aka Evi, hinter dem Tresen ihrer Seemanns-Spelunke SEETEUFEL
Evelyn Subbert, aka Evi, hinter dem Tresen ihres SEETEUFEL

Auch die Zusammensetzung der Gäste war und ist im Seeteufel alles andere als gewöhnlich. Früher, als es gleich gegenüber in der Rainvilleterrasse noch eine Seemannsschule gab, gingen die angehenden Kapitäne hier ein und aus. Und wenn sie schon morgens (wahrscheinlich zum Lernen, das ist nicht überliefert) kommen wollten, hatten sie dafür einen Schlüssel.

Die ersten Besucher waren die angehenden Kapitäne aus der Seefahrtsschule

Die Seefahrtsschule ging, aber die Kapitäne kommen auch heute noch gerne zu Besuch, wenn sie nach vielen Seemeilen auf allen Weltmeeren mal wieder in Hamburg sind. Ganz neue Gäste, darunter eher bekannte Gesichter aus Wirtschaft, Kunst, Musik und Schauspiel, sind über die Jahre dazu gekommen und mischen sich zwischen all die vielen Gäste aus dem Stadteil Ottensen und machen den Seeteufel so besonders. Und die SEASIDE-Redaktion ist jede Woche auch dabei, wartet sehnlichst auf den Mittwoch (geöffnet ist Mi-Sa, aber dann open end), denn dann wird der Seeteufel wieder zur Heimstätte, auch wenn wir keine Seeleute sind.

Der Grund dafür ist Evi, die es in den letzten 30 Jahren geschafft hat, aus einem optisch eher zweckmäßig eingerichtetem Raum ein buntes „Museum mit Ausschank“ zu machen, was uns jede Woche wieder in den Seeteufel treibt.

Zu Evi, diesem wunderbaren, bunten Vogel mit dem riesengroßen Herzen und der nicht minder großen Klappe. Geboren auf Rügen, geflüchtet aus einem Regime, das es Menschen wie ihr besonders schwer gemacht hat. 

An einen Ort, in dem auf 27 Quadratmetern Grundfläche ein derart verdichtetes, skurriles, bezauberndes und vor allem maritimes Feuerwerk abgefackelt wird, wie es wohl kein zweites gibt.

Das wissen manche Touristen, die sich immer wieder in den Seeteufel verirren, das wissen wir und das wissen auch viele andere Hamburger, die Evis Seeteufel unlängst zur „Besten Kneipe Hamburgs“ gewählt haben.

Kontakt
Zum Seeteufel
Elbchaussee 4
22765 Hamburg
www.seeteufel-hamburg.de

Seemanns-Spelunken an der Nordsee

Sag Hafen, und die Leute denken an Seemanns-Spelunken. Doch Klabautermann und Co. haben sich rar gemacht an der Küste. Die Umschlagszeiten sind viel zu kurz, als dass die Matrosen noch ausgiebig durch die Kneipen ziehen, einen drauf machen und ordentlich Seemannsgarn spinnen. Das Schöne ist, dass man sie, wenn auch nur vereinzelt, noch überall an der Küste finden kann, die ehemaligen Seemanns-Spelunken. Macht euch auf die Suche! Wir sind uns sicher, dass ihr „Eure“ Spelunke finden werdet, wenn ihr im Norden seid.

Diese Perlen der Seemanns-Spelunken hat der Nordsee-Tourismus-Service für euch entdeckt: www.nordseetourismus.de

Zu einer echten Seemanns-Spelunke gehört natürlich eine Galionsfigur

Blaue Maus, Amrum

Aus dem Reetdachhaus zwischen Wittdün und Süddorf auf Amrum fließt warmes Licht aus den Fenstern, nicht weit weg steht der Leuchtturm und schickt sein Licht in die beginnende Nacht. Im nahen Yachthafen klingeln die Taue an den Masten der Schiffe; jetzt wäre etwas zum Wärmen von Innen nicht schlecht: die Blaue Maus gehört zu den besten Whisky-Bars in Deutschland. Schottische Whiskys sind die Liebe und die Leidenschaft des Amrumer Kneipiers Jan von der Weppen. Romantik und authentisches Flair gibt‘s auch: Bilder zeigen, dass dies hier einst eine echte Seemannskneipe war. „Früher, bis in die 1960er Jahre, war es die Kneipe für Fischer und Ma-trosen auf Amrum. Hier wurde dermaßen gefeiert, dass manche Frauen zu Hause bleiben mussten“, sagt Barbara von der Weppen, die damals ein kleines Mädchen war und diese Zeiten nur aus Geschichten kennt.

Zum glücklichen Matthias, Föhr

Der Dielenfußboden knarrt, an der Decke hängen Fischreusen und eine Harpune. In den Fensternischen stehen Schiffsmodelle und die Gallionsfigur reckt ihre Brust in den Gastraum des „Zum Glücklichen Matthias“ in Wyk auf Föhr. Der Glückliche Matthias war ein erfolgreicher Walfänger, und wer es gern maritim mag und was Leckeres aus dem Meer essen möchte, sollte vorbei schauen. Stimmengewirr wabert durch den Gastraum und aus der Küche hört man das Zischen in den Pfannen. Kerzen spenden Licht und eine schöne Stimmung; es ist gediegen und gemütlich, fast so wie zu Hause. Der Gastraum ist in kleine, fast intime „Einheiten“ unterteilt, und zwischen den pastellfarbenen Wänden und der Messing-Zier vermittelt Zum Glücklichen Matthias seinen Gästen das Gefühl, bei Freunden zu Hause zu sitzen – mit dem Flair vom Meer. 

Thalamegus, Sankt Peter-Ording

Masken aus Indonesien, Speere aus Afrika. Alles Souvenirs aus der Seefahrt: Willkommen im Thalamegus, dieser wundersamen Kneipe in St. Peter-Ording. Seit fast fünfzig Jahren steht Christine Menden hinter der Theke – und sie kann zu fast jedem Stück eine Geschichte erzählen. Sie selbst fuhr nicht zur See, aber ihr Mann Claus-Joachim. Von ihm – und auch von ihr, sie reiste ihm früher oft hinterher – stammen diese meist schönen, manchmal skurrilen Stücke. Die Kneipe versprüht den fast vergessenen Charme vergangener Zeiten. Es ist diese gewachsene, authentische Mischung aus Exotik und liebgewonnener Eck-Kneipe, die den Gast im Thalamegus sich wohl und aufgehoben fühlen lässt, denn Kneipen wie diese, wo man das Gefühl hat, zu Hause zu sein, sind sehr, sehr selten geworden.

Goldener Anker, Husum

Viele Matrosen dürfen vielleicht gar nicht mehr von Bord“, vermutet Birte Lausen, die Frau hinter der Theke, „und die Liege- und Umschlagszeiten sind heute ja viel kürzer als früher.“ Früher, ja früher war das hier eine richtige Hafenkneipe – und heute … ist sie es doch auch: Steuerrad und Gallionsfigur an der Wand, Buddelschiff und Bilder vom Meer – das ist echt und authentisch. Kleine Preise sowieso. Im Goldenen Anker treffen sich die Knobelrunde und der Skatclub, geschnackt wird gerne auf Platt – mit dem Blick auf das Hafenbecken, über dem die Möwen schreien und die Schiffe liegen. „Ab und zu kommen die Krabbenfischer vorbei, wenn sie Zeit haben“, sagt Birte. Auf jeden Fall ist der „Goldene Anker“ ein authentischer Ort zum Sitzen, Gucken und zum Träumen von der Seefahrt und der Romantik. An einem echten Hafen, in einer echten Kneipe.     

Domicile, Büsum

Seit 1979 zapft Norbert Lutz im Domicile in Büsum, der „allerletzten Kneipe vor Helgoland“, gespickt mit Souvenirs einmal rund um die Welt. Jedes Stück hat seine eigene Geschichte! Und Norbert Lutz kann sie alle erzählen. Die Kneipe hat diese besondere, selten gewordene Atmosphäre. Nicht nur wenn Norbert zum Schlagzeug greift und mit der Band Musik macht. Das Domicile liegt nah am Büsumer Hafen. Einem richtigen Umschlagsplatz für Waren, dem Heimathafen etlicher Krabbenkutter, Liegeplatz für Off-Shore–Arbeitsschiffe. „Ab und an kommen doch noch Seeleute vorbei“, sagt Norbert, „der Hafen ist ja nicht weit weg.“ Und dann kann es manchmal sogar sein, berichtet der Wirt, dass man mit Matrosen von den Philippinen an der Theke sitzt. Und sich Geschichten erzählen lässt. Die von der großen, weiten Welt. Im Winter dann auf einen Eiergrog, der Spezialität im Domicile.

Dieser Artikel ist auch im SEASIDE Magazin 2018 erschienen, das ihr in unserem Shop portofrei bestellen könnt.