Für den Eingeweihten mag es ja ein alter Hut sein. Immerhin veranstalten die Leute von Ötillö, das heißt übrigens „von Insel zu Insel“ auf Schwedisch, in diesem Jahr bereits seit elf Jahren ihre Swimrun-Races. Dabei achten die Veranstalter darauf, möglichst spektakuläre Veranstaltungsorte für den Wettkampf auszuwählen. In diesem Jahr findet das Ötillö Swimrun das erste Mal in Deutschland statt und ist gleichzeitig eines der Qualifikationsrennen für die Weltmeisterschaft in Stockholm 2017.

Und die Veranstalter haben mit der Mecklenburgischen Seenplatte einen idealen Ort dafür gewählt. Für alle Nichteingeweihten ist es so ziemlich eines der heftigsten Rennen für scheinbar maximalunterforderte Hochleistungssportler. Bereits respekteinflößend, aber vielleicht auf dem Papier noch nicht so wild, sind die nackten Zahlen: 45 km Laufen und 10 km Schwimmen werden es für das Öttillö Swimrun 1000 Lakes an der Mecklenburgischen Seenplatte sein. Die meisten von uns steigen da schon mal aus.

Verglichen mit der Ironman-Distanz (3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren, 42,195 km Laufen) ist zumindest die Laufdistanz ähnlich und schon die Schwimmdistanz fast dreimal so lang. Aber wie diese Strecke zurückgelegt wird und nach welchem Regelwerk, ist der eigentliche „Haken“.

Der aufmerksame Leser hat vielleicht noch die Ötillö Übersetzung weiter oben im Gedächtnis. Genau. Diese kleine Finte hat es in sich. Die Athleten bezwingen die Wettkampfstrecke nämlich in Zweierteams – Frauenteams, Männerteams und Mixed – über mehrere Inseln hinweg. Und da ein Wechsel der Kleidung zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, schwimmen die Athleten einfach in ihren Laufschuhen und absolvieren die Laufstrecke direkt in ihren Neoprenanzügen.

Fast Facts Ötillö Swimrun 1000 Lakes 2016

  • 1. Auflage
  • 43,3 km Gesamtstrecke
  • 33,3 km Trailrunning
  • 10 km Schwimmen in offenen Gewässern
  • 22 Wechsel zwischen Laufen und Schwimmen
  • 330 bis 1500 m lange Schwimmpassagen
  • 300 bis 7900 m lange Laufpassagen
  • 179 Teams: 108 Herren, 57 Mixed, 14 Damen
  • Start aus Sicherheitsgründen nur in Zweierteams
  • 20 Nationalitäten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Italien, Kanada, Lettland, Litauen, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien, Südafrika, Tschechische Republik

 

Wie kommt man auf sowas? Klar, Alkoholeinfluss.

Vier Schweden sitzen in einer Hotelbar in Utö bei dem einen oder anderen Bier. Es wird spät und man fragt sich, ob und wie man wohl ganz ohne Boot von Utö nach Sandhamn kommen könnte. Dabei fällt ihnen auf, dass sie viele der Inseln, die auf der direkten Strecke nach Sandhamn liegen, noch nie betreten haben. Um das zu ändern und dem Gan-zen noch den nötigen Kick zu geben, beschließen sie, diesen Umstand durch ein Rennen zu ändern.

Reglement damals: Die Distanz muss in Zweierteams absolviert werden. Und jede Bar auf der Strecke dient als Checkpoint. Pflichtdrink inklusive. Besonderer Anreiz: Das Verliererteam bezahlt für alle Essen, Getränke (das werden wiederum nicht wenige gewesen sein) und Unterkunft. Der Rest ist Geschichte, und mittlerweile sind die Swimruns zu professionell organisierten Rennen geworden.

Alle Jakob Edholm

Der Schauplatz des ersten Ötillö Swimruns in Deutschland liegt weniger als zwei Autostunden von Berlin entfernt und ist mit seinen mehr als 3.000 Seen spektakulärer Austragungsort für einen Swimrun. Die meisten der Seen sind von Buchenwäldern gesäumt, deren Blätter Ende Oktober in herbstlichen Farben leuchten werden. Der Start liegt in Wesenberg in Mecklenburg-Vorpommern, das Ziel in Rheinsberg in Brandenburg.  Die acht besten Teams des Öttillö Swimrun 1.000 Lakes qualifizieren sich für die Öttillö Swimrun Weltmeisterschaft 2017 in Schweden.